Kreuzberg, Radial-Waldhufendorf
im nördlichen Passauer Vorwald

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Inmitten einer durchschnittlich 700 m hohen, durch Erosion entstandenen Gebirgsrandsenke mit flachwelligen Rücken und weiten Mulden liegt rd. 3,5 km nördlich von Freyung Kreuzberg in beherrschender Höhe. Der Gneisrücken von Kreuzberg (819 m), der durch einen Sattel nahezu höhengleich mit dem Randlberg (791 m) im Nordosten verbunden ist, fällt an allen anderen Seiten gleichmäßig um etwa 150 m zu den Hauptentwässerungsadern des Reschbaches im Westen und des Saußbaches im Süden und Südosten ab.

Die Ebenheiten und leichtgeböschten Hängen der kristallinen Rücken mit ihren lehmigen Sand- und sandigen Lehmböden tragen in den ortsnahen Bereichen Ackerland, in den ortsfernen überwiegen Wiesen und Weiden. Steilere Teilhänge bleiben dem Wald vorbehalten. Das Gebiet um Kreuzberg (= Gereutsberg = gerodeter Berg) ist weithin gerodet, wobei der Kahlschlag von den Dörfern auf den Kuppen ausging. Am isolierten Kegel von Kreuzberg ordnen sich die Besitzstreifen in der Form ehemaliger Waldhufen radial um die Siedlung. Unmittelbaren Hofanschlag besaßen um 1840 nur die Anwesen des äußeren, unteren Ovals. Über Kreuzberg, bereits jenseits des Reschwassers, liegen jene Siedlungen, die erst in einer späteren Ausbauphase in den Fuß des Schönbrunner Waldes und des Lusen hineingerodet wurden.

Kreuzberg war für Jahrhunderte die nördlichste Siedlung am Bergreichensteiner Ast des Goldenen Steiges und verdankt seine Entwicklung zu guten Teilen dem Saumverkehr. Die alte Trasse entspricht etwa der heutigen Straße, die von Süden in den Ort hereinführt und wieder nach Osten abbiegt. Etwa im Gegensatz zu Freyung dürfte von Anfang an die Landwirtschaft den Bewohnern eine sichere Existenzgrundlage geboten haben.

Im Jahre 1354, noch vor Freyung, erwarb Kreuzberg des Marktprivileg. Dieses wurde ganz offensichtlich 1576 wieder eingezogen, während die bischöfliche Maut in dem 1605 wieder „Dorf“ genannten Ort bis ins ausgehende 17. Jh. verblieb. Trotzdem fanden weiter Wochen- und drei Jahrmärkte statt. Umfang und dichte Bebauung der Siedlung entsprachen um 1840 eher einer Markt- als einer Dorfanlage.

Während der Verkehr auf dem Bergreichensteiner Zweig des Goldenen Steiges im 17. Jh. deutlich nachließ, sprudelte eine andere Einnahmequelle unvermindert weiter: die Wallfahrt zur Heiligen Anna auf dem Kreuzberg. Sie gilt als eine der ältesten St. Anna-Wallfahrten Deutschlands und kann bis zum Jahre 1429 zurückverfolgt werden, als die Stadtgemeinde Passau „30 Kirchfahrten auf den Creutz Perg“ versprochen hatte. Im Jahre 1777 berichtet der Pfarrer von Freyung von rd. 60 000 Wallfahrern, die allein an den „Goldenen Samstagen“ (drei Samstage nach Michaeli, 29.9.) aus dem Hochstift, dem Bayerischen, dem angrenzenden Böhmen und aus Österreich zugeströmt waren.

1971 kam die Gemeinde Kreuzberg, die nur das Kirchdorf selbst umfaßte (1970: 747 Einwohner), zur Stadt Freyung. Eine althergebrachte, heute nur mehr selten zu findende Institution überstand die kommunale Zusammenlegung: die „Waldgemeinde der Nutzungs-berechtigten“. Während um 1860 etwa 250 ha Wald an einzelne Berechtigte vergeben wurden, verblieb der größere Teil von rd. 500 ha im Nordosten des Dorfes als Gemeindewald und wird nach einem ausgeklügelten Zahlungsschema gemeinsam genutzt.

 

Dorfgeschichte

europäische Zeitläufe

Zeit

Ereignis

Zeit

Ereignis

1354

Kreuzberg erhält Marktrecht (später auf Freyung übertragen)

1348-1417

Schisma = mehrere Päpste zugleich

 

 

1350

Kaiser Karl ruft Siedler nach Böhmen

1356 bis 1366

Ausbau des oberen Goldenen Steiges nach Bergreichenstein in Böhmen, Kreuzberg ist wichtiger Zoll- und Säumerplatz (die Winterberger Säumerstrasse besteht schon vorher).

Marktrechte

1348 - 52

Pest in Deutschland (1/3 der Bevölkerung stirbt)

um 1400

Kreuzberg ist Hauptwallfahrtsort des Hochstifts Passau, Wallfahrt erstmalig 1429 beurkundet

1419-36

Hussitenkriege / Einfälle auch bei uns

um 1500

Bau der jetzigen Pfarrkirche in Kreuzberg (mehrfach um- und ausgebaut)

1450

Erfindung der Buchdruckkunst

1523

Marktrecht ging von Kreuzberg auf das Aigen in der Freyung über

1498

Entdeckung Amerikas

1538

Kreuzberg zählt 35 Häuser, mehr als der Nachbarort Freyung

1517

Luther Thesen

1672

Erster nachgewiesener Schulunterricht

1618-48

Dreißigjähriger Krieg

1625/1626

Pest

1740

Kaiserin Maria Theresia und Friedrich der Große

1649

Pest

1789

Französische Revolution

1777

60.000 Wahlfahrer

18. Jahrh.

Aufklärung aber auch große Volksfrömmigkeit

1795

Erstes Schulhaus

1804

Napoleon wird Kaiser

18. Jahrh.

Kreuzberg ist eine weithin berühmte, große Wallfahrt

1806

Auflösung des Röm. Reiches Deutscher Nation / Fürstbistum fällt an Bayern

1819

Ortsbrand Kreuzberg

1813

Völkerschlacht bei Leipzig

1849

Expositur

1848

Rev. in Deutschland

1874

FFW + Kriegerbund werden gegründet

1870-71

Krieg gegen Frankreich

1896

Pfarrei + Post

1871

Neues Deutsches Reich

 

  • Der Text ist aus Unterlagen über Kreuzberg
  • Die Tabelle ist aus dem Buch „Dorfentwicklung und Flurneuordnung Kreuzberg“. Verfasst und gestaltet von Georg Weishäupl, Kreuzberg